Heute ist doch alles nur mehr KI – ohne künstliche Intelligenz geht doch gar nichts mehr. Und zugegeben: Es ist unglaublich faszinierend, was diese Systeme leisten und wie sehr sie unsere Online Marketing Arbeit erleichtern und beschleunigen. Aber Achtung: Seit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz lassen viele Unternehmen und Agenturen das eigene Denken gleich ganz sein. Die Folge: Automatisch generierter Durchschnitt, niemals aber wilder Durchbruch. Denn dieses Kribbeln im Kopf ist jedem KI noch weit überlegen und wenn ihr dann auch noch Glück habt, wird alles gut. Eine humorige und ernste Auseinandersetzung mit generativer KI.
Robert Seeger – Sohn eines Norweger-Pullovers – verbreitet selbstgestrickt Thesen über das Überleben in der Timeline. Der studierte Kunsthistoriker gilt als anerkannter Experte für spätgotische Madonnen und postmodernes Online-Marketing. Seit fast 20 Jahren berät, provoziert und missioniert er Unternehmen, Ministerien und NPOs in allen Fragen rund um digitales Marketing. Folgende mutige Kunden setzen unter anderem auf die Social Media Power Marke Seeger: Red Bull, Douglas, Western Digital, Lufthansa, das Österreichische Bundesheer und viele mehr.
In dieser Eröffnungskeynote der OMX 2023 stellt Robert eine provokante These in den Raum: KI ist zwar allgegenwärtig, macht uns aber nicht glücklicher oder menschlicher. Der Vortrag richtet sich an alle, die im Online-Marketing und in der digitalen Kommunikation tätig sind und sich fragen, wie sie im Zeitalter der künstlichen Intelligenz relevant, authentisch und wirksam bleiben können.
Robert beschreibt seine tägliche Zerrissenheit zwischen staunendem Enthusiasmus und echtem Unbehagen gegenüber KI-Tools. Einerseits ermöglichen Werkzeuge wie Opus Clips in Minuten fertige Video-Snippets, andererseits übernehmen Apps die Elternrolle beim Trösten von Babys und ersetzen das Vorlesen von Geschichten. Er betont: Seit der Erfindung der Sprache vor rund 400.000 Jahren ist die Lüge Teil der menschlichen Kommunikation – Deepfakes und KI-generierte Inhalte sind nur die konsequente Fortsetzung dieser Entwicklung. Umso wichtiger wird in dieser Zeit Ehrlichkeit als Unterscheidungsmerkmal.
Am Beispiel von ChatGPT zeigt Robert, wie KI gesellschaftliche Stereotypen reproduziert: Ärzte sind stets männlich und weiß, Pflegekräfte weiblich. Wer die KI vor ungewöhnliche Kombinationen stellt – etwa Angela Merkel als Krankenschwester – bringt das System ins Stocken. Gleichzeitig demonstriert er anhand eines 25 Jahre alten Schwimmwettbewerbs, wie ChatGPT aus wenigen Screenshots einen präzisen Sportkommentar generiert. Die Schlussfolgerung: KI kann vieles, aber kein wirklich wildes, unkorrekt-menschliches Denken.
Robert argumentiert, dass Menschlichkeit zum Gütesiegel der Zukunft wird. Je mehr KI das neue Normal ist, desto wertvoller wird alles, was erkennbar von einem echten Menschen stammt – mit all seinen Fehlern, seiner Emotionalität und seiner Unberechenbarkeit. Er warnt davor, die durch KI gewonnene Zeit für noch mehr Content-Produktion zu verwenden, anstatt sie für echte menschliche Begegnungen zu nutzen. Sein Leitspruch: „Lieber Sex als Effizienz“ – gemeint als Plädoyer dafür, Lebensfreude und echten Kontakt über bloße Produktivitätssteigerung zu stellen.
Als Cyborg mit einem Cochlea-Implantat erzählt Robert seine eigene Geschichte: Sein Hörgerät ist eine österreichische Erfindung, sein Arzt wusste damals nichts davon – und trotzdem zieht sein YouTube-Kanal darüber massenhaft Kommentare und Anfragen an. Sein Fazit: Wenn selbst ein Randgruppenthema wie sein Implantat Menschen bewegt, kann jedes Unternehmensthema ein Publikum finden – wenn es als echte Geschichte erzählt wird.
Die von Robert vorgestellte VVA-Formel lautet: Volumen, Variation und Ausdauer. Wer nicht weiß, welche Plattform oder welches Format morgen funktioniert, sollte möglichst viele unterschiedliche Dinge ausprobieren und dabei Geduld beweisen. Als Beispiel dient der Podcast „Geschichten aus der Geschichte“: Erst nach über 150 Folgen kamen erste Werbeeinnahmen, nach Folge 250 konnten beide Hosts ihren Hauptjob aufgeben. Wer nach acht Podcast-Folgen aufgibt, beraubt sich des kumulativen Effekts eines wachsenden Backlogs.
Am eigenen Auftritt demonstriert Robert das Prinzip des starken Hooks: Die Atemschutzmaske zu Beginn erzeugt sofort Aufmerksamkeit, ohne dass eine Erklärung gegeben wird – ganz wie in der ersten Szene von Breaking Bad. Ein guter Hook verzichtet auf abgedroschene Phrasen wie „Mit dem Dritten hätte keiner gerechnet“ und setzt stattdessen auf Kontrast und unerwartete Bilder. Anhand konkreter Beispiele – von Stellenanzeigen bis zu Sportmarketing-Videos – zeigt er, wie emotionales Storytelling die Reichweite um ein Vielfaches steigert. Aufmerksamkeit ist Biologie: Das menschliche Gehirn reagiert auf Kontrast, nicht auf weichgespülte Unternehmenskommunikation.
Made by Mensch wird zum Qualitätsmerkmal: Authentische, menschlich gemachte Inhalte heben sich zunehmend von KI-generiertem Durchschnitt ab.
Nutze KI für Zeitgewinn, nicht für mehr Output: Verwende die gesparte Zeit für echte menschliche Interaktionen statt für noch mehr Content-Produktion.
Die VVA-Formel (Volumen, Variation, Ausdauer) erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas funktioniert – gib nicht nach wenigen Versuchen auf.
Baue starke Hooks am Anfang jeder Kommunikation: Erzeuge sofort Kontrast und Neugier, ohne das Rätsel gleich aufzulösen.
Sei mutig und bewusst unkorrekt: KI produziert politisch korrekten Durchschnitt – echter Durchbruch entsteht durch Ecken, Kanten und unerwartete Ideen.
Kenne die Grenzen und Vorurteile von KI-Tools: Sie reproduzieren Stereotypen und liefern nicht immer das Bestellte – kritische Prüfung bleibt unverzichtbar.
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