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Saskia Bader, OMX 2023

»Warum digitale Barrierefreiheit im Online-Marketing immer wichtiger wird«

Was ist digitale Barrierefreiheit und warum wird sie für das Online Marketing immer wichtiger? Saskias Vortrag gibt einen Überblick sowie praxisnahe Tipps rund um die Vorteile und die konkrete Erstellung barrierearmer Websites und Marketinginhalte. Abgerundet wird der Programmpunkt mit spannenden Beispielen und aufschlussreichen Statistiken zum Effekt von Barrierefreiheit auf den Erfolg von Online Marketing Maßnahmen.

Saskia Bader

Saskia ist als Webentwicklerin, Bloggerin und Vortragsrednerin tätig. Sie hat eine angeborene Sehbehinderung und kennt das Thema der digitalen Barrierefreiheit sowohl aus der Nutzer- als auch der Websitebetreiber-Perspektive. In bisher rund 30 Vorträgen zu den Themen digitale Barrierefreiheit, Diversität in der IT-Branche sowie Zielerreichung trotz Hindernissen vermittelt sie ihr Wissen in Unternehmen und auf Konferenzen auf inspirierende und praxisnahe Weise weiter.

Inhalt

Saskia beleuchtet in ihrem Vortrag das Thema digitale Barrierefreiheit und zeigt, warum es für Unternehmen, Websitebetreiber und Online-Marketer weit mehr als eine gesetzliche Pflicht ist. Der Vortrag richtet sich an alle, die an Webprojekten und digitalen Marketingmaßnahmen beteiligt sind – von Projektleitern über Entwickler bis hin zu Content-Verantwortlichen.

Was ist digitale Barrierefreiheit – und wen betrifft sie wirklich?

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gleichermaßen alle Funktionen der digitalen Welt nutzen können. Saskia betont bewusst den Begriff Beeinträchtigung statt Behinderung, weil Einschränkungen auch temporär sein können – etwa ein gebrochener Arm, der das Klicken unmöglich macht. Als Person mit einem Restsehvermögen von 10 Prozent teilt sie eigene Erlebnisse, etwa wenn Fehlermeldungen in Formularen so schnell verschwinden, dass sie mit ihrer Bildschirmlupe nicht mitkommt, was zu Frustration und Kaufabbruch führt.

Konkrete Barrieren auf einer typischen Landingpage

Am Beispiel einer hypothetischen Software-Verkaufsseite zeigt Saskia, welche Hürden in der Praxis entstehen: Videos ohne gesprochene Inhalte transportieren für blinde Nutzer nur Hintergrundmusik. Videos ohne Untertitel schließen hörbeeinträchtigte Menschen aus – oder jeden, der sein Gerät gerade lautlos stellt. Bilder ohne Alternativtexte, etwa Logos von Zahlungsanbietern, liefern Screenreader-Nutzern keinerlei Information. FAQ-Bereiche ohne Tastaturzugänglichkeit, fehlende Kontraste in Formularen sowie rein farbbasierte Fehlermarkierungen (problematisch bei Rot-Grün-Sehschwäche) sind weitere typische Stolperstellen.

Die Folge: Betroffene Nutzer versuchen es mehrfach, geben dann frustriert auf und wechseln zur Konkurrenz – ohne dass der Betreiber es bemerkt. Einmal dort positiv erlebt, werden diese Nutzer Stammkunden beim Wettbewerber.

Argumente, um Entscheider zu überzeugen

Saskia liefert vier überzeugende Argumente für Chefs, Kunden und Geschäftspartner: Erstens die Rechtssicherheit – in Deutschland und Österreich gelten ab 2025 Barrierefreiheitsgesetze, die auch Privatunternehmen im E-Commerce betreffen. Frühzeitige Vorbereitung spart hektisches Nachrüsten. Zweitens der Wettbewerbsvorteil: Wer als Erster in seiner Kategorie barrierefrei ist, gewinnt treue Stammkunden – analog zu Apple, das früh Screenreader und Bildschirmlupe ins iPhone integrierte und damit eine ganze Nutzergruppe dauerhaft band. Drittens der Traffic-Gewinn: Laut einer Studie von Accessibility Checker verzeichnen barrierefreie Websites 12 Prozent mehr Besucher. Viertens trägt Barrierefreiheit zur gesellschaftlichen Verantwortung bei, indem sie Chancengleichheit in der digitalen Welt fördert.

Praxistipps und Tools für den Alltag

Für laufende und neue Projekte empfiehlt Saskia, Barrierefreiheit von Anfang an in den Projektplan einzuplanen – inklusive Zeit, Ressourcen und einem Sensibilisierungs-Kick-off. Bestehende Websites lassen sich mit digitalen Testtools, Nutzerbefragungen oder spezialisierten Dienstleistern auf Barrieren prüfen. Als einfachsten Einstieg nennt sie die Entwicklerkonsole im Browser (z. B. unter F12), die Kontrastprobleme und Tastaturzugänglichkeit direkt anzeigt – kostenlos und ohne Zusatzsoftware.

Konkrete Quick-Wins sind: Untertitel für Videos, gesprochene Inhalte (Narration) für visuelle Videos, Alternativtexte für informationstragende Bilder, ausreichende Kontraste und lesbare Schrift sowie zugängliche Buttons mit aussagekräftigen Labels statt reiner Icon-Darstellung.

Die wichtigsten Takeaways

  • Barrierefreie Websites erzielen laut Studie 12 Prozent mehr Traffic – ein direkter betriebswirtschaftlicher Vorteil.
  • Ab 2025 gilt in Deutschland und Österreich eine gesetzliche Barrierefreiheitspflicht auch für private Unternehmen im Online-Handel – frühzeitige Umsetzung spart Stress.
  • Tastaturzugänglichkeit hat höchste Priorität, da sie gleich zwei Nutzergruppen betrifft: Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Screenreader-Nutzer.
  • Alternativtexte für informationstragende Bilder sind eine der einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen und schnell umsetzbar.
  • Die Entwicklerkonsole des Browsers (F12) ist ein kostenloser Einstieg, um Kontrast- und Zugänglichkeitsprobleme sofort zu identifizieren.
  • Barrierefreiheit sollte von Projektbeginn an eingeplant werden – nachträgliche Korrekturen sind aufwändiger und teurer als präventive Maßnahmen.

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